Archive for the tag 'NASA'

Reißende Fluten auf Titan?

Mai 16th, 2010

 Bild vergrößernDie Aufnahmen entstanden während des letzten Titan-Vorbeiflugs der vierjährigen Kernmission von Cassini, die daraufhin verlängert wurde. (NASA JPL)

Bild vergrößernDie Aufnahmen entstanden während des letzten Titan-Vorbeiflugs der vierjährigen Kernmission von Cassini, die daraufhin verlängert wurde. (NASA JPL)

Ein US-französisches Forscherteam um Alice Le Gall vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA hat Radaraufnahmen des Saturnmonds Titan untersucht. Bei einem Vorbeiflug der NASA-Sonde Cassini im Mai 2008 waren Rinnenstrukturen entdeckt worden, die deutlich heller erscheinen als alle anderen Oberflächenphänomene. Die Wissenschaftler schließen nun daraus, dass sich in der gebirgigen Region Xanadu regelmäßig starke Flutereignissen auftreten. Darüber berichten sie in der Juniausgabe der Wissenschaftszeitschrift Icarus.

Wenn die Elemente irdische Gebirge zerkleinern, entsteht Gesteinsschutt. Schutt, der abtransportiert werden muss. Diese Aufgabe übernehmen Gebirgsbäche, die den Kieseln zwar freie Fahrt anbieten, aber keine sonderlich komfortablen Transportbedingungen. Es wird geschubst und gedrängelt. Schon nach wenigen Kilometern im Bach entsteht aus dem kantigen Erosionsschutt ein vertrautes Bild: Völlig gerundete und abgeplattete Kiesel säumen das Flussbett.

Genau einen solchen Prozess meint das Team um Alice Le Gall in der Bergregion Xanadu auf Titan entdeckt zu haben: „Wir glauben, dass hier die gleichen Prozesse wirken, die auf der Erde Flussgeröll polieren. Beim Abwärtsrollen werden alle Ecken abgeschliffen.“

Anders als auf der Erde spielt Wasser auf dem Saturnmond nicht die Rolle des Trägermediums, sondern die des Gesteins. Mit einer Oberflächentemperatur von -180°C ist es hier viel zu kalt für sprudelnde Gebirgsbäche – aus Wasser. Es ist zu einer harten Mischung aus Staub und Eis gefroren. Flüssiges Methan und Ethan bilden Wolken und Nebel, die auch für die Entstehung von Niederschlag verantwortlich sein dürften.

Dichte Wolken aus Kohlenwasserstoffen erschweren die Beobachtung der Titanoberfläche und die Forscher sind auf Radaraufnahmen angewiesen, da diese Wellen die Atmosphäre durchdringen und Oberflächenstrukturen abbilden können. Warum gerade die Rinnenfüllungen stärkere Reflexionen hervorrufen, war bisher nicht klar.

„Bisher wusste niemand, warum Xanadu so hell erscheint, bestätigt Teammitglied Steve Wall vom JPL. „Diese Art von Geometrien wurden in einer natürlichen Umgebung nicht erwartet. Wir glauben aber, das Rätsel gelöst zu haben.“

Runde Eiskiesel

 Bild vergrößernAbgeschliffener Gebirgsschutt ist ein klares Anzeichen für vorhandene Fließgewässer wie Flüsse.  (NASA/JPL/ESA/University of Arizona und S.M. Matheson)

Abgeschliffener Gebirgsschutt ist ein klares Anzeichen für vorhandene Fließgewässer wie Flüsse. (NASA/JPL/ESA/University of Arizona und S.M. Matheson)

Trotz vieler Unterschiede gibt es klare Analogien geologischer Oberflächenprozesse auf Erde und Titan. Das titanische Eisgestein wird ebenso zu flachen runden Kieseln, wie das an einem Bergbach in den Alpen geschieht. Den Eiskieseln kommt nun gerade ihre Form zu Gute. Denn Eis reflektiert Radarstrahlung sehr stark, noch viel besser tun dies jedoch runde Körper. Die Reflexion auf ihrer Oberfläche wird immer direkt zum Sender zurückgeschickt.

Die These von Le Galls Team ist nicht völlig gewagt, denn runde Kiesel konnten auf der Oberfläche direkt beobachtet werden. Als die europäische Landesonde Huygens am 15. Januar 2005 im Grenzbereich zwischen den Regionen Adiri und Shangri-la niederging, fand sie sich zwischen zwei bis 20 Zentimeter großen Kieseln wieder, die gut gerundet erschienen. Die Rinnen von Xanadu sind auf Cassinis Radaraufnahmen deutlich heller als Huygens‘ Landegebiet, müssen hier also viel dichter gelagert sein.

Lässt sich die Interpretation der Radardaten bestätigen, wäre ein weiterer Baustein in der Hydrosphäre des Titan geschlossen.

Dies ist ein Crosspost von Raumfahrer.net.

Augen auf im Weltraumverkehr!

März 6th, 2010

MRO: Dünenbewegungen zwischen 2007 und 2009 (NASA)

MRO: Dünenbewegungen zwischen 2007 und 2009 (NASA)

Was beim Kauf eines Gebrauchtwagens gilt, stimmt in der extraplanetarischen Forschung schon lange. Man weiß bereits, dass auf dem Mars Dünenfelder existieren. Nun konnten hochgenaue Bilder der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter zeigen, dass sie sich auch bewegen. Zwischen 2007 und 2009 um rund 20 Meter. Phil Plait vom Blog Bad Astronomy fasst das so zusammen:

Als ich ein Kind war, galt Mars als toter Planet. Ausgetrocknet, tiefgefroren, kaum Atmosphäre. Ich hielt ihn deswegen für nicht sonderlich interessant.

So ändern sich die Zeiten.

Apropos genau hinschauen: Morgen (Sonntag) fliegt die ESA-Sonde Mars Express in einem Abstand von nur rund 100 Kilometern am größeren Marsmond Phobos vorbei. Erste Bilder davon sind für Mittwoch zu erwarten. Eigentlich will die ESA aber mit ihrem Radio Science-Experiment den inneren Aufbau von Phobos untersuchen. Über Genaueres berichtet Axel Orth.

LCROSS: Tot geglaubte leben länger

November 13th, 2009

Die Auswertung des gezielten Einschlags der LCROSS-Mission vom 9. Oktober ist beendet und siehe da: Der ständig im Schatten liegende Cabeus-Krater ist eine Kältefalle. Hier sammelte sich in den vergangenen Milliarden Jahren Wasser und vielleicht sogar noch mehr. Der Impakt selbst war ja trotz einer Armada auf den Mond gerichteter Teleskope relativ dürftig gewesen. Eine optische Beobachtung der Auswurfwolke war selbst der Sonde selbst nur mit großer Anstrengung gelungen.

Wie hoch die Güte der Daten ist, muss sich erst noch zeigen. Die NASA-Forscher feierten ihre Ergebnisse heute zumindest erst einmal ausgiebig. Genauere Angaben zu denneben Wasser und Hydroxyl „gefunden Substanzen“ machte man vorerst noch nicht. Die Daten seien komplex, die Auswertung werde dauern.

Sicher, das Ergebnis spricht für einen Erfolg der Mission. Seit mehr als 15 Jahren gibt es Vermutungen über Wasser an den Mondpolen, die nun mit direkten Messdaten untermauert werden konnten. Jedoch scheint die Auswertung durchaus schwierig zu sein, was die NASA ja selbst zugibt. Zudem bricht die noch unvollständige Bekanntgabe von Ergebnissen nur drei Wochen nach dem Bericht der Augustine-Kommission ans Tageslicht. Diese hatte diskutiert, ob und wie die bemannte Mondexploration vonstatten gehen könnte. Dafür brauch die NASA mehr Geld. Politiker brauchen aber Argumente, warum ein so aufwändiges Unternehmen wie die Rückkehr zum Mond bezahlt werden muss. Da ist es gut, Ergebnisse bereitstellen zu können, wenn auch nur unvollständige.

Wie das Leben auf die Erde kam

November 7th, 2009

Charnia spun aus der Ediacara-Fauna: Ein Vorfahre der Seefeder? (Wikipedia, CC-BY)

Charnia spun aus der Ediacara-Fauna: Ein Vorfahre der Seefeder? (Wikipedia, CC-BY)

Eigentlich müsste man die Frage den Paläontologen stellen, aber die können nur im Fossilbericht nachlesen, was dort einmal hineingeschrieben wurde. Bei allen Arten, die vor der kambrischen Explosion vor 540 Millionen Jahren lebten, wird es besonders schwierig, denn sie besaßen keine Skelette. Davor war das Getier vor allem weich und glibberig und verwesten lange bevor sie im Sediment archiviert werden konnten. Nichtsdestotrotz war es durchaus divers entwickelt, wie ein seltener Fund mit Weichteilerhaltung aus dem Präkambrium zeigt: die Ediacara-Fauna. Aber das ist (leider) eine große Ausnahme.

Noch schlechter sieht es mit Mikroorganismen aus. Die ersten fossilisierten Lebewesen sind Algenmatten (Stromatolithen) aus Westaustralien, wobei es hier schon anfängt knifflig zu werden. Denn manche Forscher sagen, solche  Wechselschichtungen können auch anorganisch entstanden sein.

Wie und wo sich nun die ersten Einzeller zusammengerottet haben, lässt sich heute von keinem seriösen Geologen mehr feststellen. Gesteinsdatierungen aus jener Zeit sind auf nur hunderte Millionen Jahre genau, so dass sich wohl bei keinem Fund jemals der Beweis führen ließe: Ja, das waren die ersten auf der Welt. Schade eigentlich.

Deswegen ist es viel interessanter zu schauen, was die Exobiologen so treiben.  Die konnten gerade zeigen, dass Nukleinbasen unter völlig lebensfeindlichen Bedingungen im All entstehen könnten. Die spannendere Frage ist vielleicht also gar nicht, wann das Leben auf der Erde entstand, sondern wo das Baumaterial hierher gelangte und wie es entstand.

Update: Schön finde ich die Pressefotos der NASA zu genanntem Experiment, das sieht doch perfekt nach Hollywood aus. Drei neugierige Wissenschaftler blicken gebannt auf ihr laufendes Experiment. Just like reality.

Drei Forscher blicken gebannt auf ihr Experiment (Dominic Hart/NASA)

Drei Forscher blicken gebannt auf ihr Experiment (Dominic Hart/NASA)

Juno, die nächste große Sonde

September 25th, 2009

Juno (NASA)

Juno (NASA)

Überall konnte man es lesen: Mit dem Start der Sonde Cassini zum Saturn beginnt auch die letzte der großen Missionen der NASA. In einer Reihe wurden so große Namen genannt wie: Pioneer, Voyager, Galileo, Cassini.

Nun steckt also doch der nächste Braten in der Röhre der US-Weltraumbehörde: Mit Juno soll 2011 eine 700 Millionen US-Dollar teure Mission zum Jupiter fliegen. Man setzt auf große Innovationen: Drei Solarpaneele, jedes zwei mal neun Meter groß, werden die Sonde mit Energie versorgen. Bisher haben ausnahmslos alle Raumfahrzeuge in dieser Entfernung von der Sonne mit nuklearthermischen Energiequellen gearbeitet. Da die großen Gasriesen einen signifikanten Strahlungsgürtel besitzen, ist der Betrieb von Solarzellen eigentlich problematisch. Besonders beschichtete Solarzellen sollen der Strahlung aber standhalten. Zudem wird die Sonde auf einer polaren Umlaufbahn um Jupiter kreisen und dem gefährlichen Feld gar nicht so nahe kommen. Damit erübrigen sich aber leider auch Ausflüge zu den Galileischen Monden. Schade.

Auch wenn 700 Millionen Dollar nach viel Geld klingen: Wirklich in einer Reihe mit Cassini und Co. steht Juno eigentlich nicht. Die Saturnsonde verschlang immerhin die fünffache Summe.

Juno (NASA)

Juno (NASA)

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