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Astronomen, seid genügsam

Dezember 24th, 2009

Die Weihnachtszeit ermahnt uns, nicht dem Konsumrausch zu frönen und enthaltsam und genügsam zu leben. Wir sollen an all jene denken, denen es schlechter geht als uns.

Eine etwas andere Form der Genügsamkeit fordert eine vorweihnachtliche Veröffentlichung von amerikanischen und britischen Astrophysikern. Sie machen sich Sorgen, weil ein im ausgehenden Jahr gestartetes Observatorium die theoretische Forschung behindern könnte. Die ESA-Sonde Planck ist in der Lage, mit einer aufwendigen Kühltechnik die kosmische Hintergrundstrahlung hochgenau zu vermessen. Planck wird soweit ins frühe Universum blicken, wie kein Teleskopenauge vor ihm. Und der technische Spielraum, in Zukunft noch weiter hinauszublicken ist begrenzt. Planck kratzt am Rand des sichtbaren Universums.

Anomalien in der kosmischen Hintergrundstrahlung (NASA/WMAP)

Der kosmische Mikrowellenhintergrund, aufgenommen von der Mission WMAP (NASA)

Bisher fand zuerst eine Mission eine Anomalie im kosmischen Hintergrundleuchten (erstmals tat das die Mission COBE in den frühen 1990ern). Daraufhin entwickelten Kosmologen ein Modell, das die Asymmetrie erklären konnte. Später verwendete man verbesserte Daten der Folgemissionen MAP und WMAP, um diese Modelle zu bestätigen – oder zu widerlegen.

Wenn der Messpedant Planck nun neue Anomalien findet, gibt es ein Problem. Zwar können die Himmelsdenker wieder neue Modelle zur Erklärung bauen. Sie lassen sich dann nur kaum noch verifizieren. Eine um Größenordnungen bessere Nachfolgemission wird es nicht geben.

Die Lösung dieses Dilemmas? Enthaltsamkeit! Plancks Daten sollten in Häppchen veröffentlicht werden. So können immer und immer wieder Modelle aufgestellt werden, die dann mit neuen freigelassenen Daten verifiziert oder widerlegt werden können.

In diesem Sinne: frohe Weihnachten!

http://www.raumfahrer.net/raumfahrt/raumsonden/herschelplanck.shtmlPl