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Basler Geothermiekraftwerk ist gestorben

Dezember 11th, 2009

Die tiefe Geothermie ist die riskanteste aller erneuerbaren Energien.  Ein Investor oder auch öffentliche Stellen müssen einen ein- bis zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen. Der wandert sofort in die Hand einer großen Bohrfirma aus dem Ölgeschäft. Die Gewinnmarge ist bei den Kohlenwasserstöfflern groß. Deshalb verlangt man auch den Geothermikern viel ab. So eine Tiefenbohrung ist aber – fairerweise angemerkt  – auch eine aufwendige Angelegenheit. Allein die Bohrmannschaft samt Equipment kann an einem Standort schon mal 100.000 Euro am Tag verschlingen.

Bisher bibberten die Investoren vor allem um ihre im Untegrund verbuddelten Milliönchen. Denn keiner kann genau vorhersagen, ob in der anvisierten Tiefe wirklich eine Temperatur angetroffen wird, die dann einen wirtschaftlichen Kraftwerksbetrieb ermöglicht. An manchen Standorten bleibt man so ungünstig stecken, dass das ganze Projekt aufgegeben werden muss, wie in Bad Urach auf der schwäbischen Alb passiert.

Anwohner können sich mit der Geothermie vertragen: Forschungskraftwerk Soultz-sous-forêt

Anwohner können sich mit der Geothermie vertragen: Forschungskraftwerk Soultz-sous-forêt

Doch der Wind hat sich gedreht. Heute bibbern sie in eine ganz andere Richtung. Die Bevölkerung erzeugt den Gegenwind. Am 8. Dezember 2006 bebte im schweizerischen Basel die Erde mit einer Magnitude von 3,5. Das ist nicht viel. Unterhalb von Magnitude 3 ist gar nichts spürbar. Ein draußen vorbeifahrender Bus erzeugt mehr Vibration.  Doch in Basel gingen zu viele Gläser zu Bruch. Widerstand gegen die Geothermie machte sich breit. Die Regierung versprach eine umfassende Untersuchung. Die ist nun abgeschlossen: Das Riskiko für den Betrieb eines tiefen geothermischen Kraftwerks in Basel ist zu groß. Pro Betriebsjahr könne man mit bis zu 6 Millionen Euro Franken an Schäden rechnen, bescheinigen die Gutachter. Das wird auch der Betreiberfirma  Geothermal Explorers Ltd. zu heiß, die ihren Rückzug aus Basel ankündigte. Deren Geschäftsführer steht sogar vor Gericht, wegen der Verursachung von Erdbeben und den damit verbundenen Sachschäden.

In Basel sind mehrere entscheidende Fehler gemacht worden: Man hat die Bevölkerung nicht in den Bauprozess eingebunden und ihr nicht erklärt, warum Stimulationen des Untergrunds notwendig sind und dass sie Beben verursachen können. Daneben wurde nicht ausreichend sichergestellt, stärkere Beben zu verhindern. Das wäre mit geringeren Pumpraten möglich gewesen.

Nun aber hat die tiefe Geothermie ein Problem: Sie ist in weiten Teilen der Bevölkerung in Verruf geraten. Niemand wird sie so schnell in seinem Hinterhof haben wollen. Ihre große Stärke ist eine günstige und CO2-freie Nahwärmeversorgung. Die gemeinsame Förderung von Strom und Wärme macht die Kraftkwerke erst rentabel. Deswegen hat man in Basel mitten in der Stadt gebohrt und deshalb wird man auch in Zukunft nicht umhin kommen, in urbanen Zentren zu bohren.

Ganz anders lief das übrigens in Soultz-sous-forêt, dem europäischen Vorzeigekraftwerk.  Hier hat man die lokale Bevölkerung direkt in den Planungsprozess einbezogen. Man hat erklärt, warum Stimulationen des heißen Gesteins für den Betrieb unerlässlich sind. Und dass keine gefährlichen Beben entstehen können. Das Kraftwerk steht allen zum Besuch offen. – Die Anwohner sind gut informiert und daher stolz auf das Pilotprojekt in ihrer Nachbarschaft und akzeptieren sogar gelegentliches Gläserklirren.

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