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Ein Kommentar zu Desertec

November 7th, 2009

Gerade zwitscherte mir BlogWissen:

Desertec Industrial Initiative (DII GmbH) gründet: Wird der Traum wird Wirklichkeit?

Das Ganze wird als Energieversorgung der Zukunft hingestellt. Wir bauen riesige solarthermische Kraftwerke in die nördliche Sahara, versenken hunderte Kilometer Gleichstromkabel im Mittelmeer und haben die Energieversorgung für Europa gesichert. Nie wieder Angst vor russischem Ölterror, kaum noch  CO2-Emissionen durch Kraftwerke und wir helfen sogar den armen armen Afrikanern. Wessen Herz wird da nicht weich? – Ganz so rosig freilich male ich mir diese Zukunft nicht aus.

  1. Warum in die Ferne scheifen? Erneuerbare Energien gibt es überall.In Deutschland gibt es Energie in Hülle und Fülle. Die Windenergie, vor Jahren noch als völlig irrelevant belächelt, liefert bereits mehr als 7% des detschen Strombedarfs. Vor der Küste installierte Windparks haben ein noch größeres Potential und sind grundlastfähiger, denn dort weht der Wind deutlich stetiger als an Land. Erste Bundesländer stehen kurz davor, ihren kompletten Energieverbrauch mit Windenergie zu decken.Die Erneuerbaren eine dezentrale Energieform, die man prinzipiell überall aufbauen kann. Neben Wind im Norden des Landes muss man weiter im Süden mehr über Biomasse und -gas oder  Geothermie nachdenken. Überall lässt umweltfreundliche Energie ernten. Dafür muss man nicht nach Nordafrika gehen.
  2. Solarenergie lohnt sich in Deutschland nicht? In Deutschland regelt das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), wie eingespeister erneuerbarer Strom vergütet wird. Jedem Anlagenbetreiber wird ein fester Preis pro Kilowattstunde garantiert. Das Gesetz fördert die technische Fortentwicklung bis hin zur preislichen Konkurrenzfähigkeit mit den fossilen Energieträgern. Denn jedes Jahr sinkt die Einspeisevergütung um einen festgelegten Betrag. Die Hersteller müssen sicherstellen, dass sie ihre Anlagen über die Jahre ständig verbilligen. Das Konzept des EEG ist so erfolgreich, dass es (nach seiner Einführung in Deutschland) u.a. auch in Spanien, Japan oder Kalifornien eingeführt wurde.
  3. Heimische Erneuerbare Energien werden nie den gesamten Strombedarf decken?
    Alle bisherigen seriösen Prognosen über die Entwicklung erneuerbarer Energien lagen völlig daneben.

    Alle bisherigen seriösen Prognosen über die Entwicklung erneuerbarer Energien lagen völlig daneben. (Quelle: Bundesregierung)

    Seit der ersten Einspeisung aus Windrädern wurde geunkt, niemals würden die Energieträger ihre Nische verlassen, niemals einen signifikanten Beitrag zur Energieversorgung leisten. Tatsächlich haben sich sogar alle seriösen, d.h. nicht von der fossilen Energiewirtschaft bezahlten Studien deutlich verschätzt. Selbst die solarfreundlichere rot-schwarze Bundesregierung formulierte das Ziel, bis 2020 20% aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Die aktuellen Wachstumsraten weisen eher in Richtung 30%, ohne jegliche weitere politischen Anreize. Wohl gemerkt: Hier geht es um heimische Erneuerbare Energien.

  4. Die Belastungen durch das EEG sind eine Zumutung. Seitdem die neue schwarz (wie Kohle)-gelbe (wie Atomenergie) Regierung an der Macht ist, werden immer mehr Rufe laut, am EEG zu rütteln. Die Förderung für die Photovoltaik wird als erste fallen. Aber selbst die Förderung für die so erfolgreiche Windenergie wird bereits in Frage gestellt. Aber wer mutet da eigentlich wem etwas zu? Sind wirklich die 2 Euro das Problem, die ein Durchschnittsdeutscher im Monat für den Ausbau der Erneuerbaren Energien hergibt? Sollten wir nicht zuerst über die externen Kosten der fossil-atomaren Energieversorgung reden? Wer zahlt denn die Sicherung von Castortransporten und die Lagerung von atomarem Müll über Jahrtausende? Wer zahlt die Sanierung des Endlagers Asse, das man nun vermutlich komplett ausräumen muss? Wer zahlt die Reinigung von Flüssen und Grundwasser, wenn wieder einmal ein Öltanker auf dem Rhein verunglückt ist? Wer zahlt die Kosten des Gesundheitssystems durch die Emission von Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und co. aus den großen fossilen Kraftwerken im Land? Und wer zahlt die Kosten, wenn 30 Jahre nach der CO2-Verpressung die unterirdischen Kavernen Leck schlagen? Die Gesellschaft, die Steuerzahler, wir alle zahlen dafür. Und das ist eine Zumutung.
  5. Wir müssen endlich unabhängig von ausländischem Erdöl und -gas werden. Die fossilen Ressourcen auf der Welt schrumpfen. Immer weniger Produzenten werden von immer mehr Konsumenten umgarnt. Wer den höchsten Preis zahlt, bekommt den Zuschlag.  Auf einem Produzentenmarkt entscheidet die über den Preis. Darum müssen wir uns unabhängig von Energieimporten machen. Dies wird nicht gelingen, wenn wir unsere Energiesicherheit in die Hand nordafrikanischer Despoten legen. Sicher macht es Sinn, in der Sahara mit der Sonne Energie zu gewinnen: für die lokalen Abnehmer! Für Nordafrika sind solarthermische Kraftwerke eine große Chance zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Desertec ist eine Farce. Man will uns weis machen, die Lösung unserer Energieprobleme könnten in Nordafrika gelöst werden. Dort können aber nur die Probleme von Nordafrika gelöst werden. Europa hat genug Potential, seinen Energiebedarf im eigenen Hinterhof zu decken.