Archive for the tag 'China'

Die Umwelt vermessen?

Februar 6th, 2010

Hier ist die Welt noch in Ordnung: Island

Hier ist die Welt noch in Ordnung: Island (selbstgeschossen, CC-BY-SA)

Ökologische Standards international umzusetzen ist schwierig, wie etwa die Klimaverhandlungen in Kopenhagen gezeigt haben. Gerne wird dabei übersehen, dass Klimagase nur einen kleinen Teil aller Umwelteingriffe darstellen. Hinzu kommen Wasserqualität, Umweltgifte, der Zustand von Wäldern, Fischbeständen und die Biodiversität. Alle Faktoren wirken sich auf die Lebensqualität der Menschen aus. Sind Wälder gerodet oder durch Schwefelemission stark geschädigt, Seen und Meere leergefischt und die natürlichen Kreisläufe der Nahrungskette gestört, beeinträchtigt das auch die  Entwicklungsmöglichkeiten eines Staates.

Die genannten Ressourcen werden vom Menschen überall beansprucht – je nach Land mehr oder weniger nachhaltig. Die US-Eliteuniversität Yale gibt alljährlich einen Environmental Performance Index (EPI) heraus. Jedes Land kann in den genannten Kategorien Punkte zwischen null und hundert  erhalten. Am Ende der diesjährigen Liste fällt ein internationaler Index heraus, der sich sehr interessant liest:

  • Island und die Schweiz führen die Spitze an, zwei Länder, die weltweit auch den höchsten Lebensstandard haben.
  • Auf Platz drei folgt Costa Rica, das relativ schwach industrialisiert ist und das daher saubere Quellen und eine moderate Luftverschmutzung aufweist. Das Ökosystem ist hier noch intakt, was die Lebensqualität erhöht.
  • Deutschland steht abgeschlagen auf Platz 17, u.a. wegen hohen CO2-Emissionen, Luftverschmutzung und völlig überstrapazierten Fischbeständen.
  • Die USA stehen auf Platz 61 mit gleicher EPI-Punktzahl wie Paraguay.
  • China und Indien stehen wegen dem massiven Raubbau in ihren industriellen Zentren auf den Plätzen 121 und 123. Daran tragen auch wir eine Mitschuld, denn hier werden unsere Rechner und Pullover gefertig.
  • Das Schlusslicht bilden zwei der ärmsten Länder: Sierra Leone und die zentralafrikanische Republik.

Wie bei vielen internationalen Vergleichslisten scheinen Industriestaaten zu führen – aber es mogeln sich Entwicklungsländer ebenso in die ersten Reihen wie Industriestaaten auf den hinteren Rängen landen.

Kopenhagen ist das neue Kioto

Dezember 29th, 2009

China: Industrieanlage am Jangtse

China: Industrieanlage am Jangtse (CC-BY-SA)

Der Deutschlandfunk hat eine gute Zusammenfassung zum sogenannten Kopenhagen Accord. Accord bedeutet so viel wie Absprache oder Abmachung und wird als Abkommen und Durchbruch gehandelt. Tatsächlich haben die Industriestaaten das Ding völlig ohne die Entwicklungsländer ausgehandelt und ihnen noch nicht mal erzählt, dass sie die Konferenz jetzt einfach ohne sie zu einem Resultat führen.

Der Deutschlandfunk und die meisten Medien stellen gegen diese Farce dann gerne das doch so erfolgreiche Kioto-Protokoll.  Damals hatte man eine Reduktion zum Referenzjahr 1990 vereinbart. Die meisten Staaten haben das Protokoll unterzeichnet und viele auch ratifiziert.

Letztlich war auch Kioto eine ähnliche Farce. Das Jahr 1990 bedeutete einen enormen politischen und wirtschaftlichen Umbruch in den Ostblockländern und in Ostdeutschland. Die industrielle Produktion brach so stark ein, dass Deutschland, aber auch EU-Länder wie Polen, die Kioto-Kriterien schnell erfüllt hatten.  Polen setzt fast ausschließlich auf Kohlekraftwerke, der pro-Kopf-Ausstoß ist dennoch einer der höchsten in der EU. Doch auch in Westeuropa und den USA markierte 1990 den beginnenden industriellen Umbruch. Der Aufstieg von China als Industriestaat und die Verlagerung der Mehrheit der Konsumgüterproduktion ins Reich der Mitte war natürlich verbunden mit dem Rückgang der heimischen Emissionen.

Nun wird China als Klimagipfeltroll hingestellt. Der Westen spricht aber mit gespaltener Zunge, denn der hiesige Konsum erfordert ja erst den Großteil der industriellen Produktion Chinas – und damit der Emissionen.

Nachtrag

Weil es so gut passt: Einem aktuellen Nature-Artikel zufolge verschieben sich die Klimazonen durchschnittlich 420 Meter im Jahr zu den Polen.