Archive for the tag 'Atomkraft'

Nicht nur bei der Atomkraft

März 10th, 2010

Kürzlich hatte ich ja behauptet, verstanden zu haben, warum Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) so vehement Stimmung gegen die Atomkraft macht. Er sei Störfeuerbeauftragter vom Dienst, damit der CDU am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen nicht alle zu umweltbewussten Schwarzwähler weglaufen.

Das stimmt wohl auch so, denke ich. Nur ist das ein deutlich grundlegenderes Prinzip der Koalition, als ich gedacht hatte. Es zieht sich durch alle Politikbereiche. Das zumindest macht die ZDF-Politiksatire von Werner Doyé und Andreas Wiemers ganz gut deutlich:

Danke, @piratsango.

Nett: Ein Endlager im Süddeutschen

März 10th, 2010

Die Eignung von Tongestein für die atomare Endlagerung wird weiter untersucht. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie verlängerte Anfang Februar 2010 das Vorhaben eines Forschungsverbunds der Universitäten in Saarbrücken, Dresden, Mainz, München und Potsdam sowie der Forschungszentren in Dresden, Karlsruhe und Leipzig.

Vorsicht Atommüll

Vorsicht Atommüll (freeflo, CC-BY-SA)

Weltweit werden drei Wirtsgesteine für die atomare Endlagerung diskutiert. Neben dem kristallinen Granit und Salzgestein gehören mächtige Tonsteinschichten zu den Favoriten für die sichere Verwahrung über zehntausende Jahre. Tonsteine sind komplexe Mineralgemische. Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf ihren Hauptbestandteil, das Modellmineral Kaolinit. Nun soll von Chemikern das Verhalten von natürlichem Tonstein untersucht werden, in dem neben Kaolinit, Quarz und Kalzit auch organische Rückstände vorhanden sind.

Sollte den Atommüllbehältern radioaktiv belastetes Wasser entweichen, muss der Tonstein mit seinem Mineralgemisch eine effiziente Barriere darstellen. Es ist jedoch völlig unklar, wie sich die radioaktiven Elemente Uran, Plutonium, Neptunium und deren Zerfallsprodukte verhalten, wenn sie in Kontakt mit den organischen Bestandteilen des Tonsteins kommen. Im schlimmsten Fall könnten sie die Verbreitung der Elemente sogar beschleunigen.

Für die Endlagerung von Atommüll konzentrierte sich die deutsche Regierung bisher auf Salzstöcke. Unkontrolliert austretende Grubenwässer können hier zu nicht beherrschbaren Situationen führen. Aus dem Schacht Asse in Niedersachsen müssen mehr als 100.000 Fässer schwach- bis mittelradioaktiver Fässer kostspielig zurückgeholt werden. Ein sicheres Endlager in Salzstöcken ist seither heftig umstritten. Alternativ gelten mächtige Tonsteinschichten als interessant, wie dem im schwäbischen Untergrund verbreiteten Opalinuston. Ein 60 Kilometer breiter Streifen zwischen Ulm und Riedlingen wäre geeignet. Ein zweiter Standort im Kreis Konstanz zwischen Engen und Gottmadingen käme in Frage. Auch die Schweiz denkt über ein eigenes Endlager im Opalinuston in Benken am Rheinfall nach.

Der deutsche Forschungsverbund wurde seit 2006 mit mehr als fünf Millionen Euro gefördert. Die Verlängerung durch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ermöglicht die Fortführung bis 2011 und stellt dafür 695.000 Euro zur Verfügung. Dann wird eine Debatte über ein schwäbisches Endlager erneut geführt werden müssen.

Norbert Röttgen, der Asympath

Februar 8th, 2010

Norbert Röttgen (Tohma, CC-BY-SA)

Norbert Röttgen (Tohma, CC-BY-SA)

Norbert Röttgen ist ja ein sympathischer Kerl. Mit 44 Jahren könnte er fast noch der Jungen Union zugerechnet werden. Aber der Mann wollte früh hoch hinaus: bis 2009 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Zwischenzeitlich als Geschäftsführer beim BDI im Gespräch beerbte er 2009 Sigmar Gabriel im Amt des Bundesumweltministers.

Was macht ihn bei diesem Lebenslauf so sympathisch, wenn man nicht gerade charismatische, zur Macht strebende Politiker per se interessant findet? Ganz einfach: Norbert Röttgen ist ein entschlossener Kämpfer für Erneuerbare Energien (EE) und will nur an der Atomkraft festhalten, wenn es unbedingt nötig ist. Denn eigentlich wolle kaum jemand, dass die Meiler weiterlaufen. Und wenn wir bis 2020 einen EE-Anteil von 40 Prozent am Strommix erreicht hätten, könnten wir uns sogar den Ausstieg aus dem Ausstieg sparen. Denn dann braucht niemand mehr die Atomkraft.

Dass fast alle Prognosen über die zukünftige Rolle der Erneuerbaren bisher völlig unterhalb den realen Entwicklungen lagen, habe ich ja kürzlich dargelegt. Tatsächlich wachsen Wind, Bioenergie und Solar nämlich schneller, als fast alle Akteure in der Vergangenheit glaubten. Für das Jahr 2020 gibt der naturgemäß positive Bundesverband für Erneuerbare Energien einen Wert von 47 Prozent vor.

Diese Prognose dürfte Norbert Röttgen freuen. Entsprechend wolle er sich auch im Herbst darlegen, wie die Kernreaktoren schrittweise durch Erneuerbare Technologien abgelöst werden. Denn im Herbst plant die Regierung, ihr neues Energiekonzept vorzustellen. Und dann – so die versteckte Hoffnung der Bevölkerung – wird der ausgesprochen sympathische Norbert Röttgen die Notbremse ziehen, die ewiggestrigen Atomlobbyisten der FDP aufs Abstellgleis schicken und Wind und Sonne Vorfahrt einräumen.

Doch eine Sache macht stutzig. Am 9. Mai 2010 wird in NRW gewählt. Und wie überall im Lande sind auch hier die Menschen mehrheitlich gegen die Atomkraft. Warum sollten sie eine Partei wählen, die dann Monate später die Atomkraft wiederaufleben lässt? So eine Landtagswahl wäre doch die ideale Möglichkeit, ordentlich Denkzettel zu verteilen!

Deswegen hat die CDU einen so sympathischen Politiker wie Norbert Röttgen zum Umweltminister gemacht. Der Mann hat die Lizenz zum gegenfeuern. Ganz unverbindlich: Im Herbst wird er natürlich nicht gegen die Atomlobby ankommen. Aber er hat dann alles versucht. Und überhaupt: Die Wachstumsprognosen für die Erneuerbaren waren schon sehr geschönt. Wenn man den Rotstift von der Solarförderung versehentlich noch in die Vergütungssätze von Wind und Bioenergie abrutschen lässt, führt an der Atomkraft wirklich kein mehr Weg vorbei.