Nicht gerade ein Schnappschuss

7. November 2009

Stell dir vor, du hättest eine 648-Megapixel-Kamera und dürftest damit ein Foto machen. Was würdest du fotografieren?

Ich würde mich ja für den Himmel entscheiden. Axel Mellinger, deutscher Astronom Hobbyastronom und derzeit Assistenzprofessor an der Central Michigan University hat genau das getan.

Wobei, es war dann doch etwas komplizierter. Leider gibt es (noch) keine 648-Megapixel-Kameras. Daher hat er sich für den unbequemen Weg entschieden: 22 Monate lang herumreisen, 40.000 Flugkilometer zurücklegend (das ist der Erdumfang!), suchte sich Mellinger die besten Beobachtungsorte der Welt aus, um von dort den Himmel zu fotografieren.

Als er alle Bilder beisammen hatte, ging die Arbeit aber erst so richtig los. Denn die Himmelskugel über unserem Kopf ist leider durch die Atmosphäre verzerrt, natürlich für jeden Ort und jede lokale Uhrzeit unterschiedlich stark! Also verwendete der Astrom ein mathematisches Modell, um die Störungen herauszurechnen.

Ein zweites schwerwiegenderes Problem war die künstliche Himmelsaufhellung, die leider auch von Ort zu Ort und Tageszeit zu Tageszeit schwankt. Denn die hängt nicht nur vom Umgebungslicht, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Zudem macht sogar Streulicht unserer Sonne an interplanetarem Staub einen gewissen Effekt. Um das Problem zu lösen, nahm sich Mellinger Aufnahmen der Pioneersonden 10 und 11 vor, die im äußeren Sonnensystem etwas bessere Beobachtungsbedingungen vorfanden als er im Hinterhof seiner Uni. So konnte er zwischen wahrer Lichtverschmutzung und nur sehr schwachem Sternenlicht unterscheiden.

Mellingers Werk gibt es hier zu bewundern, ganz interaktiv. Einen Komplettdownload bietet er (bisher) nicht an, aber ich vermute, das hat vor allem technische Gründe.

Die Himmelskugel mit 648 Megapixeln, hier in einer verkleinerten Version (Axel Mellinger)

Die Himmelskugel mit 648 Megapixeln, hier in einer verkleinerten Version (Axel Mellinger)

Update

Es gibt ein Interview mit Mellinger zur Arbeit an diesem großen Bild. Dieses kann man auch im Podcast InSound nachhören.

Central Michigan University

Eine Reaktion zu “Nicht gerade ein Schnappschuss”

  1. AstroGeo » Blog Archive » Nachlese zum Panoramaam 25. November 2009 um 17:43 Uhr

    […] habe hier kürzlich über das große Himmelspanorama von Dr. Axel Mellinger geschrieben und ihn auch interviewt. Heute hat sein Bild es auch zum APOD geschafft, dem Astrononmy Picture of […]

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