Flussschlingen auf dem Mars

3. März 2010

Vom Abtauen gigantischer marsianischer Eisschilde.

Die NASA veröffentlichte gestern eine nette Radaraufnahme des Mars Reconnaissance Orbiters. Radarwellen bieten den Vorteil, auch unter die Planetenoberfläche blicken zu können. Hochreflektierende Materialien wie Eis werfen die Wellen zurück und sind mit gutem Kontrast auszumachen. Der abgebildete Teil der Region Deuteronilus Mensae ist knapp 1000 mal 1000 Kilometer groß und umfasst etliche vereiste Flusstäler.

Unterirdisches Eis auf dem Mars (NASA)

Unterirdisches Eis auf dem Mars (NASA)

Die Interpretation der NASA: Hierbei dürfte es sich um die Überreste eines großen Eisschildes handeln, der vor langer Zeit verschwand. Große Wassermengen mussten abgeführt werden und sind durch diese von Bergrücken umgebene Region geflossen – und erstarrten schließlich. Sie trocknete wie die meisten anderen Gegenden des Mars nicht aus, weil die Gletschermassen mit Geröll bedeckt waren. So sedimentierten sie völlig zu und lagern bis heute im Untergrund.

Anders als die Kollegen Astronomen glaube ich nicht, dass das Geröll später auf die Gletschermassen stürzte. Denn gerade in tief eingeschnittenen Tälern rutscht ständig Geröll auf bestehende Gletscher. Wenn diese abtauen (oder das Eis sublimiert), steigt die Gerölldichte an der Oberfläche sogar noch, weil tiefer im Eis liegendes Geröll freigelegt wird.

In der Bildhälfte unten links sind mehrere Mäanderschlingen und sogar Altarme zu erkennen, schon fast ein Lehrbuchbeispiel. Gletscherzungen können nicht mäandrieren. Die Täler müssen also zuerst durch fließendes Wasser eingetieft worden sein.

Die gelben Linie markieren die einzelnen Überflüge des Orbiters.

2 Reaktionen zu “Flussschlingen auf dem Mars”

  1. Mirkoam 3. März 2010 um 20:18 Uhr

    Hallo,

    Zitat „…In der Bildhälfte unten links sind mehrere Mäanderschlingen und sogar Altarme zu erkennen, schon fast ein Lehrbuchbeispiel. Gletscherzungen können nicht mäandrieren. Die Täler müssen also zuerst durch fließendes Wasser eingetieft worden sein. “

    Ich glaube, dass dies nicht unbedingt ein Wiederspruch sein muss. Das Team um J. Plaut gibt in seiner Arbeit ( http://www.lpi.usra.edu/meetings/lpsc2010/pdf/2454.pdf ) ein geschätztes Alter der bedeckten Gletscher von 2 bis 3 Milliarden Jahren an (Zitat : „Crater counting and cross-cutting relationships indicate that the surfaces of LDAs and LVF in this area are mid-to-late Amazonian in age“). Flusstäler, durch welches in der Frühzeit des Mars Wasser geflossen ist (und die dabei u.a. auch richtige Deltas ausgebildet haben), haben dagegen ein Alter von gut und gerne 4 Milliarden Jahren.

    Es wäre also doch eigentlich durchaus denkbar, dass die Flussläufe in der Frühzeit des Mars entstanden sind und Jahrmilliarden später im Rahmen einer (globalen?) Eiszeit von Eis bedeckt wurden.

    Andererseits : Hätte das Gewicht dieser Eismassen dann die Oberfläche verformt und die Flussläufe dabei eingeebnet? Immerhin nennt man beim JPL auch eine gegenwärtige Eisdicke von mehreren hundert Metern bis hin zu einem Kilometer.

    Schöne Grüße aus Hamburg – Mirko

  2. Karl Urbanam 5. März 2010 um 22:41 Uhr

    Ich sehe auch keinen Widerspruch zu der Arbeit von Plauts Team. Interessant fand ich nur, dass niemand die Flussschlingen als solche benennt. Denn sowas hab ich bisher nicht auf Marsaufnahmen gesehen. Dafür aber hundertfach in sedimentgeologischen Vorlesungen. 🙂

    Auf jeden Fall sind die Täler aus der Frühzeit des Mars. Ich stelle mir da so eine Eiskappe à la Grönland-Eisschild vor. Von der zentralen Eismasse fließen in alle Richtungen Gletscherzungen ins Meer und fräsen sich dabei tief ins Gestein ein. Solche Eisschilde gab es vor ~20.000 Jahren auch in Nordeuropa und Nordamerika – und in deren entfernteren Umland gab es Flusstäler wie diese, wo das Eis schon länger fort war, aber das Schmelzwasser irgendwie abgeführt werden musste. Das Wasser kommt, nachdem die Gletscher verschwunden sind. Und mäandrieren lustig umher.

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben