Ein Dämon aus der Tiefe

13. Februar 2010

Während die natürlichen Ursachen von Erdbeben erst im frühen 20. Jahrhundert verstanden waren, werden Beben heute vermehrt künstlich ausgelöst.

Erdbeben: Ein Dämon aus der Tiefe? (public domain)

Ein Dämon aus der Tiefe (gemeinfrei)

Wem lief dabei kein kalter Schauder über den Rücken: Die Gefährten begeben sich in die Hallen der alten Zwergenstadt Moria. Überall lauern unsichtbare Schatten und es flüstern lange gefallene Krieger. Die Unachtsamkeit von Merry und Pippin weckt den in unbeschreiblicher Tiefe ruhenden Balrog, einen Dämon aus alter Zeit.

Das erste, was man von ihm wahrnimmt, ist das Donnern seiner Schritte, dem einer gigantischen Pauke nicht unähnlich. Die Erde erzittert unter dem Dröhnen. Das Ungetüm zeigt sich schließlich, schwarz und doch feuerüberströmt. Die seismischen Vorboten seiner Schritte bereiten auf das kommende Unheil vor: Die Vibration bringt sogar die Brücke von Khazad-dûm zum Einsturz.

Dämonen schlafen in der Erde, wer sie erzürnt, muss einen Preis zahlen. Vulkanausbrüche und Erdbeben sind die Waffen der Erdengeister. Tatsächlich gehören Erdbeben zu den Naturkatastrophen, die wir erst erschreckend kurz verstehen. Alfreds Wegeners Deutung der Plattentektonik konnte glaubhaft erklären, warum sich Epizentren großer Beben auf dem Globus aneinanderreihen wie Perlen an einer Kette. Platten werden übereinander geschoben, prallen frontal aufeinander oder gleiten aneinander vorbei. All diesen Szenarien für die Entstehung starker Erdbeben ist gemein: Keine Dämonen sind hier am Werk, sondern die Kräfte der Physik. Dichteunterschiede zwischen kontinentalen und ozeanischen Platten und ein kontinuierlicher Wärmestrom hält den tektonischen Kreislauf am Leben.

Menschgemachte Beben

Epizentren von Erdbeben weltweit markieren die Grenzen tektonischer Platten (NASA/gemeinfrei)

Bebenkarte weltweit: Die Epizentren markieren die Grenzen tektonischer Platten (NASA/gemeinfrei)

In vorindustrieller Zeit konnten allen Beben natürlichen Ursachen zugeschrieben werden. Heute ist der Fall komplizierter gelagert. Der Mensch selbst hat angefangen, Beben zu verursachen. Lokale anthropogene Erschütterungen werden durch alte Bergbaustollen, Staudämme oder den Tunnelbau, aber auch durch vorbeifahrende Lastwagen und Busse verursacht. In Tschechien und Polen gibt es heute mehr Erschütterungen durch alte Minen als durch natürliche Ursachen.

Die Dämonen werden nicht nur unabsichtlich gerufen – man spannt sie zunehmend sogar zu eigenen Zwecken ein. Eine Veröffentlichung des US-Geologen Jean Elkhoury zu Folge, könnten schwache Beben die Förderleistung von Erdöl und Gas verbessern.

Im schweizerischen Basel bebte im Dezember 2006 die Erde. Im Stadtzentrum hatte die Geopower AG eine 5.000 Meter tiefe Geothermiebohrung abgeteuft, um hier ökologisch und klimafreundlich Strom und Wärme für die Stadt zu gewinnen. Dazu muss Wasser durch den Untergrund zirkuliert werden, der hier eigentlich nicht genügend Wasser durchlässt. Daher schaffte man künstlich ein Kluftsystem: Wasser wurde mit Drücken bis zu 300 bar eingepresst, im kristalline Gestein entstanden tausende schmale Klüfte. Der gewollte Nebeneffekt der Schockbehandlung: Erdbeben. Die Mikrobeben sollten einen kleinen Versatz der Risse verursachen und so verhindern, dass sie sich gleich wieder schlössen.

In Basel ging aber etwas schief: Mit Magnitude 3,4 waren die Beben nicht wie geplant unterhalb der Wahrnehmungsschwelle von Menschen. In vielen Gebäuden entstanden Risse. Der öffentliche Aufschrei war groß – das Misstrauen gegenüber der Geothermie erreichte weltweit einen Tiefpunkt. Offensichtlich war das Risiko für ein solches Ereignis nicht ausreichend an Politik und Bevölkerung kommuniziert worden. Den Dämon wollte plötzlich niemand mehr eingeladen haben (zu geothermischen Beben gibt es aktuell einen Artikel von mir auf Telepolis).

Das Beben von Basel hatte die alten Ängste der Menschen vor den Dämonen der Tiefe geweckt. Dabei ist die Aufregung über das ausgelöste Beben ein Sturm im Wasserglas. Weltweit gibt es jährlich 50.000 Beben zwischen den Magnituden drei und vier. Gebäude nehmen bei diesen Erschütterungen zwar leichten Schaden, etwa können Risse entstehen. Keine Versicherung zahlt aber für Erdbebenschäden, die unterhalb von 10 Prozent des Gebäudewerts liegen. Wenn das Erdbeben natürliche Ursachen hatte. In Basel berufen sich die Geschädigten darauf, dass der Dämon vom Menschen gerufen wurde. Die Versicherung musste auch zahlen – obwohl in keinem Fall schwere Schäden entstanden waren.

Es brauchte einen der mächtigsten Zauberer der Zeit, Gandalf den Grauen, um den Balrog aufzuhalten. Der nahm nicht nur die Brücke von Khazad-dûm mit in den Abgrund sondern auch den Magier selbst. Das Unheil kehrte in den Berg zurück, aus dem es gekommen war – für dieses Mal.

http://www.raumfahrer.net/astronomie/kepler/home.shtml

2 Reaktionen zu “Ein Dämon aus der Tiefe”

  1. [...] Ein Dämon aus der Tiefe [...]

  2. Hansam 23. April 2011 um 02:27 Uhr

    Dämonen sind was qanz tollles , aber man sollte trotzdem respekt vor ihnen haben.
    Einige glauben nicht an so was, aber in manchen Filmen wird es bewiesen das es Dämonen in der realität wirklich gibt.

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