Archive for the 'Raumfahrt' Category

Japans großer Raumfahrtpionier

Juli 1st, 2010

Astronaut Takao Doi (JAXA)

Die Früchte von Japans Raumfahrtprogramm: Astronaut Takao Doi (JAXA)

Alle großen Raumfahrtnationen haben einen. Russland hat Sergej Pawlowitsch Koroljov, die USA haben Wernher von Braun. Die Pioniere der Raumfahrt lebten in Zeiten, als Flüge ins All ausschließlich in utopischen Romanen stattfanden. Staatlich gefördert wurden ihre Ideen aus rein militärischen Erwägungen.

Auch in Japan gibt es einen Wernher von Braun. Itokawa Hideo (im japanischen wird der Vorname dem Nachnamen nachgestellt) wurde 1913 geboren und entwickelte in jungen Jahren nicht nur ein ausgeprägtes Erfindertalent, sondern auch eine große Begeisterung für die Luftfahrt. Er entwarf als Chefentwickler ein Jagdflugzeug, das nach dem Kriegseintritt der Japaner 1941 zum Massenartikel japanischer Kriegsproduktion wurde. Das Modell Nakajima-Ki-43 Hayabusa bewährte sich schnell als zuverlässige und leichte Maschine: Hayabusa, oder はやぶさ, bedeutet Wanderfalke. Gegen Kriegsende flogen Kamikazepiloten mit diesen Vögeln Einsätze auf amerikanische Schiffe.

Itokawa, der den befohlenen Selbstmord verurteilte, spezialisierte sich nach dem Krieg auf Medizintechnik: Die Kapitulationserklärung verbot Japanern, weiterhin Flugzeuge zu bauen. 1953 wurde der Erfinder zu einer Vorlesung nach Chicago eingeladen, wo er am Rand von den Weltraumplänen Amerikas erfuhr. Sein noch immer kreativer Geist begann sich sofort mit der Konstruktion von Fluggeräten zu beschäftigen, die als Bleistiftraketen in die Geschichte eingehen sollten. Im Jahr 1964 – nur drei Jahre nach dem ersten bemannten Raumflug der UdSSR – erreichte ein Nachfolgemodell von Itokawas Bleistiften bereits eine Höhe von 1.000 Kilometern.

Itokawa Hideo verstarb am 21. Februar 1999 als einer der Helden des modernen Japans. Sein Ruhm gründet auf seine Arbeit für das japanische Raumfahrtprogramm, das sich heute international nicht verstecken muss. Zu seinen Ehren wurde ein 1998 entdeckter erdnaher Asteroid benannt: (25.143) Itokawa.

Schließlich startete 2003 eine kleine Raumsonde vom japanischen Raumfahrtzentrum Kagoshima, um dem Meister in doppelter Hinsicht die Ehre zu erweisen. Sie hatte das Ziel, den neu entdeckten Asteroiden (25.143) Itokawa zu besuchen, auf ihm zu landen und Probenmaterial zur Erde zurückzuführen. Am 13. Juni 2010 landete eine Rückkehrkapsel auf der Erde.

Vermutlich ist es reiner Zufall, dass diese Mission den gleichen Namen trägt wie das knapp 80 Jahre zuvor entwickelte Jagdflugzeug, das auch Kamikazeeinsätzen diente: Hayabusa.

Einen lesenswerten Artikel über das Leben Itokawa Hideos gibt es auch beim Independent.

Augen auf im Weltraumverkehr!

März 6th, 2010

MRO: Dünenbewegungen zwischen 2007 und 2009 (NASA)

MRO: Dünenbewegungen zwischen 2007 und 2009 (NASA)

Was beim Kauf eines Gebrauchtwagens gilt, stimmt in der extraplanetarischen Forschung schon lange. Man weiß bereits, dass auf dem Mars Dünenfelder existieren. Nun konnten hochgenaue Bilder der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter zeigen, dass sie sich auch bewegen. Zwischen 2007 und 2009 um rund 20 Meter. Phil Plait vom Blog Bad Astronomy fasst das so zusammen:

Als ich ein Kind war, galt Mars als toter Planet. Ausgetrocknet, tiefgefroren, kaum Atmosphäre. Ich hielt ihn deswegen für nicht sonderlich interessant.

So ändern sich die Zeiten.

Apropos genau hinschauen: Morgen (Sonntag) fliegt die ESA-Sonde Mars Express in einem Abstand von nur rund 100 Kilometern am größeren Marsmond Phobos vorbei. Erste Bilder davon sind für Mittwoch zu erwarten. Eigentlich will die ESA aber mit ihrem Radio Science-Experiment den inneren Aufbau von Phobos untersuchen. Über Genaueres berichtet Axel Orth.

Weltraumthemen auf dem 26C3

Dezember 25th, 2009

Zwischen den Jahren findet in der Berliner Kongresshalle am Alex der 26. Chaos Communications Congress (26C3) statt. Hier treffen Hacker, Bastler und Bürgerrechtler zusammen, um aktuelle Themen, Probleme und Projekte in allen Bereichen der Gesellschaft- und Techniksphäre zu diskutieren. Endlich habe ich dieses Jahr auch mal Zeit, alle vier Tage dabei zu sein.

Das Vortragsprogramm ist eng gepackt – meist laufen drei Veranstaltungen parallel (Fahrplan). Selbst für Astronauten und solche die es werden wollen (sagen wir: Naturwissenschaftler aller Couleur), ist etwas dabei:

Hacking the universe: zur Rolle der Stringtheorie

Halley: Rechts überholt

November 27th, 2009

Giotto Briefmarke (Deutsche Bundespost / gemeinfrei)

Giotto Briefmarke (Deutsche Bundespost / gemeinfrei)

Am 2. Juli 1985, knapp vor meinem ersten Geburtstag, startete Giotto, um dem Halleyschen Kometen einen Besuch abzustatten. Die Mission ging auch deshalb in die Geschichte ein, weil sie den Aufbruch der Europäer ins Sonnensystem markierte. Nie zuvor war eine ESA-Sonde ins Sonnensystem aufgebrochen. In meinem Interview mit Gerhard Schwehm zum Vorbeiflug der Kometensonde Rosetta am Asteroiden Šteins war auch von Giotto die Rede. Die Navigation sei damals noch nicht so hoch entwickelt, man habe einfach auf den Halleyschen Kometen gezielt, um möglichst dicht an ihm vorbeizufliegen. Hätte man das mit Rosetta und Šteins versucht, wäre eine Kollision nicht unwahrscheinlich gewesen. 

Rosetta macht im Übrigen etliche Dinge, die sich selbst die Amerikaner noch nicht getraut haben. Die Primärmission beginnt erst nach 10 Jahren Flugzeit, man versucht in den Orbit eines Kometen einzutreten, dessen Gravitation ziemlich gering ist und zu guter letzt nutzt man Solarzellen zur Energieversorgung jenseits der Marsbahn, wo die Gefahr einen Sonnenbrand zu bekommen nicht mehr sonderlich hoch ist.

Aber zurück zu Giotto: Ein Hobbyastronom namens Daniel Macháček hat sich die alten ESA-Aufnahmen nochmal vorgenommen und daraus ein Vorbeiflugvideo der Sonde am Halleyschen Kometen gebastelt. Leider ist auch das nur briefmarkengroß – aber durchaus rasant.

Giottos Vorbeiflug am Halleyschen Kometen (ESA / Giotto project, H. U. Keller / animation by Daniel Macháček / stabilized by Gordan Ugarkovic)

Giottos Vorbeiflug am Halleyschen Kometen (ESA / Giotto project, H. U. Keller / animation by Daniel Macháček / stabilized by Gordan Ugarkovic)

LCROSS: Tot geglaubte leben länger

November 13th, 2009

Die Auswertung des gezielten Einschlags der LCROSS-Mission vom 9. Oktober ist beendet und siehe da: Der ständig im Schatten liegende Cabeus-Krater ist eine Kältefalle. Hier sammelte sich in den vergangenen Milliarden Jahren Wasser und vielleicht sogar noch mehr. Der Impakt selbst war ja trotz einer Armada auf den Mond gerichteter Teleskope relativ dürftig gewesen. Eine optische Beobachtung der Auswurfwolke war selbst der Sonde selbst nur mit großer Anstrengung gelungen.

Wie hoch die Güte der Daten ist, muss sich erst noch zeigen. Die NASA-Forscher feierten ihre Ergebnisse heute zumindest erst einmal ausgiebig. Genauere Angaben zu denneben Wasser und Hydroxyl „gefunden Substanzen“ machte man vorerst noch nicht. Die Daten seien komplex, die Auswertung werde dauern.

Sicher, das Ergebnis spricht für einen Erfolg der Mission. Seit mehr als 15 Jahren gibt es Vermutungen über Wasser an den Mondpolen, die nun mit direkten Messdaten untermauert werden konnten. Jedoch scheint die Auswertung durchaus schwierig zu sein, was die NASA ja selbst zugibt. Zudem bricht die noch unvollständige Bekanntgabe von Ergebnissen nur drei Wochen nach dem Bericht der Augustine-Kommission ans Tageslicht. Diese hatte diskutiert, ob und wie die bemannte Mondexploration vonstatten gehen könnte. Dafür brauch die NASA mehr Geld. Politiker brauchen aber Argumente, warum ein so aufwändiges Unternehmen wie die Rückkehr zum Mond bezahlt werden muss. Da ist es gut, Ergebnisse bereitstellen zu können, wenn auch nur unvollständige.

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