Archive for the 'Astronomie' Category

Weltraumthemen auf dem 26C3

Dezember 25th, 2009

Zwischen den Jahren findet in der Berliner Kongresshalle am Alex der 26. Chaos Communications Congress (26C3) statt. Hier treffen Hacker, Bastler und Bürgerrechtler zusammen, um aktuelle Themen, Probleme und Projekte in allen Bereichen der Gesellschaft- und Techniksphäre zu diskutieren. Endlich habe ich dieses Jahr auch mal Zeit, alle vier Tage dabei zu sein.

Das Vortragsprogramm ist eng gepackt – meist laufen drei Veranstaltungen parallel (Fahrplan). Selbst für Astronauten und solche die es werden wollen (sagen wir: Naturwissenschaftler aller Couleur), ist etwas dabei:

Hacking the universe: zur Rolle der Stringtheorie

Astronomen, seid genügsam

Dezember 24th, 2009

Die Weihnachtszeit ermahnt uns, nicht dem Konsumrausch zu frönen und enthaltsam und genügsam zu leben. Wir sollen an all jene denken, denen es schlechter geht als uns.

Eine etwas andere Form der Genügsamkeit fordert eine vorweihnachtliche Veröffentlichung von amerikanischen und britischen Astrophysikern. Sie machen sich Sorgen, weil ein im ausgehenden Jahr gestartetes Observatorium die theoretische Forschung behindern könnte. Die ESA-Sonde Planck ist in der Lage, mit einer aufwendigen Kühltechnik die kosmische Hintergrundstrahlung hochgenau zu vermessen. Planck wird soweit ins frühe Universum blicken, wie kein Teleskopenauge vor ihm. Und der technische Spielraum, in Zukunft noch weiter hinauszublicken ist begrenzt. Planck kratzt am Rand des sichtbaren Universums.

Anomalien in der kosmischen Hintergrundstrahlung (NASA/WMAP)

Der kosmische Mikrowellenhintergrund, aufgenommen von der Mission WMAP (NASA)

Bisher fand zuerst eine Mission eine Anomalie im kosmischen Hintergrundleuchten (erstmals tat das die Mission COBE in den frühen 1990ern). Daraufhin entwickelten Kosmologen ein Modell, das die Asymmetrie erklären konnte. Später verwendete man verbesserte Daten der Folgemissionen MAP und WMAP, um diese Modelle zu bestätigen – oder zu widerlegen.

Wenn der Messpedant Planck nun neue Anomalien findet, gibt es ein Problem. Zwar können die Himmelsdenker wieder neue Modelle zur Erklärung bauen. Sie lassen sich dann nur kaum noch verifizieren. Eine um Größenordnungen bessere Nachfolgemission wird es nicht geben.

Die Lösung dieses Dilemmas? Enthaltsamkeit! Plancks Daten sollten in Häppchen veröffentlicht werden. So können immer und immer wieder Modelle aufgestellt werden, die dann mit neuen freigelassenen Daten verifiziert oder widerlegt werden können.

In diesem Sinne: frohe Weihnachten!

http://www.raumfahrer.net/raumfahrt/raumsonden/herschelplanck.shtmlPl

Halley: Rechts überholt

November 27th, 2009

Giotto Briefmarke (Deutsche Bundespost / gemeinfrei)

Giotto Briefmarke (Deutsche Bundespost / gemeinfrei)

Am 2. Juli 1985, knapp vor meinem ersten Geburtstag, startete Giotto, um dem Halleyschen Kometen einen Besuch abzustatten. Die Mission ging auch deshalb in die Geschichte ein, weil sie den Aufbruch der Europäer ins Sonnensystem markierte. Nie zuvor war eine ESA-Sonde ins Sonnensystem aufgebrochen. In meinem Interview mit Gerhard Schwehm zum Vorbeiflug der Kometensonde Rosetta am Asteroiden Šteins war auch von Giotto die Rede. Die Navigation sei damals noch nicht so hoch entwickelt, man habe einfach auf den Halleyschen Kometen gezielt, um möglichst dicht an ihm vorbeizufliegen. Hätte man das mit Rosetta und Šteins versucht, wäre eine Kollision nicht unwahrscheinlich gewesen. 

Rosetta macht im Übrigen etliche Dinge, die sich selbst die Amerikaner noch nicht getraut haben. Die Primärmission beginnt erst nach 10 Jahren Flugzeit, man versucht in den Orbit eines Kometen einzutreten, dessen Gravitation ziemlich gering ist und zu guter letzt nutzt man Solarzellen zur Energieversorgung jenseits der Marsbahn, wo die Gefahr einen Sonnenbrand zu bekommen nicht mehr sonderlich hoch ist.

Aber zurück zu Giotto: Ein Hobbyastronom namens Daniel Macháček hat sich die alten ESA-Aufnahmen nochmal vorgenommen und daraus ein Vorbeiflugvideo der Sonde am Halleyschen Kometen gebastelt. Leider ist auch das nur briefmarkengroß – aber durchaus rasant.

Giottos Vorbeiflug am Halleyschen Kometen (ESA / Giotto project, H. U. Keller / animation by Daniel Macháček / stabilized by Gordan Ugarkovic)

Giottos Vorbeiflug am Halleyschen Kometen (ESA / Giotto project, H. U. Keller / animation by Daniel Macháček / stabilized by Gordan Ugarkovic)

Nachlese zum Panorama

November 25th, 2009

Ich habe hier kürzlich über das große Himmelspanorama von Dr. Axel Mellinger geschrieben und ihn auch interviewt. Heute hat sein Bild es auch zum APOD geschafft, dem Astrononmy Picture of the Day der NASA. Dorthin gelangte Herr Mellinger nicht zum ersten Mal, auch seine erste Version eines Himmelspanoramas gab es dort:

Erste Version des Panoramas (Axel Mellinger)

Erste Version des Panoramas (Axel Mellinger)

Mellingers Central Michigan University hat einen kurzen Werbefilm zu seiner Aufnahme gemacht. Die Redakteure vom (sicher studentischen) Filmteam haben jedoch wie ich einen entscheidenden Fehler begangen und Herrn Mellinger der astronomischen Fakultät zugeordnet. Er beschäftigt sich jedoch hauptberuflich mit Polymerphysik.

LCROSS: Tot geglaubte leben länger

November 13th, 2009

Die Auswertung des gezielten Einschlags der LCROSS-Mission vom 9. Oktober ist beendet und siehe da: Der ständig im Schatten liegende Cabeus-Krater ist eine Kältefalle. Hier sammelte sich in den vergangenen Milliarden Jahren Wasser und vielleicht sogar noch mehr. Der Impakt selbst war ja trotz einer Armada auf den Mond gerichteter Teleskope relativ dürftig gewesen. Eine optische Beobachtung der Auswurfwolke war selbst der Sonde selbst nur mit großer Anstrengung gelungen.

Wie hoch die Güte der Daten ist, muss sich erst noch zeigen. Die NASA-Forscher feierten ihre Ergebnisse heute zumindest erst einmal ausgiebig. Genauere Angaben zu denneben Wasser und Hydroxyl „gefunden Substanzen“ machte man vorerst noch nicht. Die Daten seien komplex, die Auswertung werde dauern.

Sicher, das Ergebnis spricht für einen Erfolg der Mission. Seit mehr als 15 Jahren gibt es Vermutungen über Wasser an den Mondpolen, die nun mit direkten Messdaten untermauert werden konnten. Jedoch scheint die Auswertung durchaus schwierig zu sein, was die NASA ja selbst zugibt. Zudem bricht die noch unvollständige Bekanntgabe von Ergebnissen nur drei Wochen nach dem Bericht der Augustine-Kommission ans Tageslicht. Diese hatte diskutiert, ob und wie die bemannte Mondexploration vonstatten gehen könnte. Dafür brauch die NASA mehr Geld. Politiker brauchen aber Argumente, warum ein so aufwändiges Unternehmen wie die Rückkehr zum Mond bezahlt werden muss. Da ist es gut, Ergebnisse bereitstellen zu können, wenn auch nur unvollständige.

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