Astronomie zurück in die Schulen!

13. November 2009

Warum zu den Sternen greifen, was bringt Astronomieunterricht?

Vor gut zehn Jahren klopfte ich vorsichtig an die große schwere Tür des Physikraums unserer Schule. Es war 14 Uhr nachmittags, die meisten Schüler hatten bereits Schluss und es war bedrückend still in der Schule. Die  Astro-AG sollte sich hier treffen und ich war mir nicht sicher, ob ich hier richtig war. Ich hatte in der 8. Klasse zum ersten Physik belegt und am Ende mit einer vier abgeschnitten. Die Thermodynamik im Lehrplan hatte es mir nicht angetan.

Doch zurück in den leeren Flur: Ich wurde herein gebeten und setzte mich an einen Tisch zu den etwa 10 anderen Schülern. Die meisten von ihnen waren älter als ich, viele im Leistungskurs Physik und ich verstand kaum ein Wort der Themen, die da besprochen wurde. Es ging um Neutronensterne, Schwarze Löcher, exotische Materie und die Optik von Linsen- und Spiegelteleskopen. Mir waren als Science Fiction-Freund all diese Begriffe zwar geläufig, deren Bedeutung aber entzog sich mir völlig.

Das Jahr der Astronomie 2009 rückt die Disziplin in den Fokus der Gesellschaft. In den Schulen ist sie noch nicht angekommen.

Das Jahr der Astronomie 2009 rückt die Disziplin in den Fokus der Gesellschaft. In den Schulen ist sie noch nicht angekommen.

Ich ließ mich nicht abschrecken und blieb in der Astro-AG. Dort wurden neben den fruchtbaren Diskussionen gemeinsame Vortragsbesuche in der Urania und in Sternwarten organisiert, es gab Astro-Fahrten und Beobachtungsabende mit dem Schulteleskop.

Der sehr engagierte Lehrer bot ein Jahr darauf Wahlpflichtunterricht in Astronomie an, an deren Ende eine umfangreiche Klausur stand. Wir sollten die verschiedenen Todesszenarien von Sternen diskutieren.  Die nachmittäglichen Sitzungen hatten gefruchtet und ich schrieb mir die Seele vom Leib vor lauter Begeisterung am Thema, das mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Mein unsäglicher Physiklehrer in der 8. Klasse war dagegen schnell vergessen. Später begann ich Geowissenschaften zu studieren.

Leider war die  Astronomie im Lehrplan Berliner Schulen nicht wirklich bedeutend und es hing vom Engagement einzelner Lehrer ab, dass das Fach angeboten werden konnte. Die Astronomie hat aber selbst in Bundesländern wie Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, wo sie noch als Pflichtfach unterrichtet wird, einen zunehmend schlechten Stand. Dies bemängeln 275 Einzelpersonen und Organisationen in einem offenen Brief an Bund und Länder. Sie fordern: Astronomie muss festes Unterrichtsfach werden.

Astronomie ist keine sinnlose Disziplin, die zwar viel Geld verschlingt, uns aber auf der Erde keinen Nutzen bringt. Das Schicksal von Sternen, die Suche nach Exoplaneten oder die Natur der dunklen Materie interessieren jeden Menschen. Die hohen Verkaufszahlen populärwissenschaftlicher Bücher von Steven Hawking oder das große Interesse an Aufnahmen des Hubble-Teleskops zeugen davon.

In den Schulen kommt der Astronomie eine besondere Rolle zu: Sie bindet das Interesse junger Menschen an Naturwissenschaften. Sie weckt eine ungehemmte Neugier, die kanalisiert werden muss. Um aber wirklich zu verstehen, was da draußen vor sich geht, muss man sich mit Mechanik, Optik, Relativistik, Quantenmechanik, Chemie oder selbst Biologie auseinandersetzen, wenn es etwa um die Entstehung des Lebens geht. Es gibt keinen besseren Start für einen jungen Naturforscher, als sich über die Astronomie begeistern zu lassen. Die Astronomie ist ein Bücherregal, in der man isoliert gelerntes aus Physik, Chemie, Mathematik oder Biologie einsortieren kann. Alles gehört zusammen, die Natur lässt sich nicht in Schubladen einsortieren.

Um es mit Andreas Müller von Kosmologs zu sagen:

Die Astronomie vereint eine Vielzahl von Disziplinen auf eine einzigartige Weise. Aus diesem interdisziplinären, umfassenden Denkansatz entsteht etwas vollkommen Neues, das einen Mehrwert an Wissen darstellt. Dieses Wissen mündet mannigfach in praktische Anwendungen, die uns den Alltag erleichtern und der Gesellschaft nützen.

Eine Reaktion zu “Astronomie zurück in die Schulen!”

  1. […] Interview mit dem Autor, AG/RdS-Statement 10.1., Diskussion bei BdW, ZDF, SZ, TP, EK, UU, AF, AT, AG und LE sowie Frankfurter Rundschau 5.11.2009 zur Lage in […]

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