AstroGeo ist umgezogen

4. Februar 2011

Ich blogge jetzt bei den Scilogs.

Liebe Leser von AstroGeo,

ich habe mich entschieden, einem Bloggernetzwerk beizutreten: Den SciLogs von Spektrum der Wissenschaft. Dort erscheinen von nun an alle neuen Beiträge.

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/astrogeo

AstroGeo bei den SciLogs

AstroGeo bei den SciLogs

Ich habe lange mit dieser  Entscheidung gerungen: Zwar bietet eine selbst verwaltete Blogumgebung den Vorteil völliger Unabhängigkeit. Doch das Publikum ist klein – und damit die Zahl der wertvollen Leserkommentare. Noch dazu sind die SciLog’er ein netter Haufen, unter denen ich mich gern tummel.

Unter dieser Adresse – http://blog.pikarl.de – werden als Archiv weiter alle alten Beiträge zu finden sein. Neuere Einträge wandern von nun an direkt in die SciLogs.

Ich wünsche euch weiter viel Spaß beim Lesen. 🙂

Gott ist tot? Vielleicht.

21. Januar 2011

Das enfant terrible der Kosmologie hat wieder zugeschlagen!

Gott (Ecalan, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0 unported)

Gott (Ecalan, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0 unported)

Hätten die Naturkonstanten nach dem Urknall nur unwesentlich andere Werte angenommen, wären Atomkerne, Gasnebel, Sterne, Planeten und Galaxien vielleicht nie entstanden. – Haben sie aber nicht und so sind wir heute hier. Ist das ein Zufall? Hat gar eine göttliche Hand vorherbestimmt, wie sich das Universum bis hin zur Entstehung des Lebens zu entwickeln habe?

Der kanadische Kosmologe und ehemalige Steven Hawking-Doktorand Don Page machte vor wenigen Tagen darauf aufmerksam, dass zumindest eine Naturkonstante gar nicht exakt auf die Entstehung von gewöhnlicher Materie (und allem was danach kam) abgestimmt ist (arXiv 1101.2444).

Die kosmologische Konstante ist ein Ausdruck für den Kitt des Universums. Ein zu kleiner Wert lässt das Universum bald nach dem Urknall wieder kollabieren. Ein zu großer reißt die Teilchen zu schnell auseinander, so dass Galaxien, Sterne, Planeten und über sie grübelnde Physiker nie entstanden wären.

Diese Konstante ist eine Art enfant terrible der Kosmologie. Von Einstein aus der Verlegenheit eingeführt, ein statisches Universum aus seiner Theorie ableiten zu müssen (was ohne sie nicht gelang), wurde sie erleichtert aus den Modellen gestrichen, als Edwin Hubble die Expansion des Alls nachwies. Erst nach 1998 kehrte die Konstante zurück, als anhand von 1a-Supernovae und dem Mikrowellenhintergrund klar wurde: Das Universum expandiert nicht gleichförmig. Es beschleunigt seine Expansion. Das passte vielen Kosmologen nicht in ihre Modelle und ist eine andere Geschichte.

Page weist auf eine andere Implikation der neu bestimmten Konstante hin: Sie ist zu groß. Das klingt überraschend für eine Zahl mit 43 Nullen hinter dem Komma. Doch wäre sie kleiner oder gar ein bisschen negativ, hätten sich nach dem Urknall mehr Baryonen, also schwere Teilchen wie Protonen und Neutronen gebildet, aus denen dann mehr Sterne und lebensfreundliche Planeten entstanden wären.

Eine starke Form des anthropischen Prinzips besagt, dass wir in einem Universum leben, das besonders gut für die Entstehung von Leben geeignet ist. Wäre das nicht so, wären wir nicht hier. Laut Page müssten wir dieses in der Naturwissenschaft durchaus kontrovers diskutierte Prinzip nun abschwächen. Wirklich herausragend gut ist das Universum nicht auf unsere Existenz optimiert.

Zum Glück besteht für Theisten eine Resthoffnung, dass wir doch in Gottes auserwähltem Universum leben: Page hat nämlich ausschließlich die kosmologische Konstante betrachtet und andere fundamentale Naturkonstanten ignoriert. Es könnte durchaus sein, dass ihre Werte voneinander abhängen und man keine von ihnen unabhängig verändern kann.

Für diesen Fall würde ich es weiterhin Douglas Adams überlassen, die Existenz von Gott zu widerlegen:

„Ich weigere mich zu beweisen, dass ich existiere“,
sagt Gott,
„denn ein Beweis ist gegen den Glauben,
und ohne Glauben bin ich nichts!“
„Aber“,
sagt der Mensch,
„der Babelfisch ist doch eine unbewusste Offenbarung,
nicht wahr?
Er hätte sich nicht zufällig entwickeln können.
Er beweist, dass es dich gibt,
und darum
gibt es dich, deiner eigenen Argumentation zufolge, nicht.
Quod erat demonstrandum.“
„Ach, du lieber Gott“,
sagt Gott,
„daran habe ich gar nicht gedacht“,
und löst sich in ein Logikwölkchen auf.
„Na, das war ja einfach“,
sagt der Mensch
und beweist, weil’s gerade so schön war,
dass schwarz gleich weiß ist,
und kommt wenig später auf einem Zebrastreifen ums Leben.

Wissenschaftsfernsehen selbst gemacht

3. Januar 2011

Es gibt deutlich mehr natürliche Gesichtsausdrücke, als bisher gedacht. Dieses Ergebnis Tübinger Forscher war uns ein kleines Filmchen wert.

Fernsehen zu machen, ist aufwendig. Es ist mitnichten so, dass fünf Minuten Sendezeit nach fünf Drehminuten im Kasten sind. Eher kann man – gerade bei Beiträgen über Wissenschaft – mit einem Drehtag pro Fünfminutenbeitrag rechnen. Ohne die Tage, die hinterher noch der Schnitt benötigt.

So richtig verstanden habe ich das erst, als ich im letzten Jahr selbst einen Film gedreht habe. Das Seminar Einführung in den Wissenschaftsjournalismus stellte uns Kameras, Auto und viel Hintergrundwissen zur Verfügung. Und mit meiner Mitstreiterin Sarah May fuhr ich ins Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Das Resultat dieser Arbeit lief im letzten Sommer im Tübinger Campus TV.

Kaffee, Marmelade und Twitter

23. November 2010

Ich möchte heute das zweite Mal aus der naturwissenschaftlich-technischen Welt dieses Blogs ausbrechen. Denn ich sehe mich genötigt, eine Marotte zu erklären: Das Twittern.

Analogtwittern: Die Morgenzeitung zerschnippeln (fooishbar, CC-BY-NC)

Analogtwittern: Die Morgenzeitung zerschnippeln (fooishbar, CC-BY-NC)

Von Twitter haben heute die meisten Leute gehört, hinauf bis zur Generation meiner Eltern: „Da kann man doch der ganzen Welt mitteilen, dass man gerade auf dem Klo sitzt.“ Aber Twitter ist mehr. Selbst in meinem Jahrgang (1984) ist Vielen nicht bewusst, wozu man das braucht. Dabei „twittern“ selbst meine Eltern –  obwohl sie es nicht so nennen würden.

Ich stamme aus einem recht belesenen Elternhaus. Beim Frühstück lasen beide Eltern eine Zeitung, jeder hatte ein eigenes Blatt abonniert. Zwischen Kaffee und Brötchen kommentierten sie. Interessante Artikel schnitten sie aus gaben sie weiter – an uns Kinder: „Hier, das könnte dich doch interessieren. / Guck mal, da gehts um Science Fiction. / Musst du nicht ein Referat über das Thema halten?“

Heute lebe ich weit weg vom Elternhaus, Zeit zum Anrufen finde ich auch viel zu selten. Deswegen bekomme ich jetzt regelmäßig dicke Briefumschläge zugeschickt, frisch vom heimischen Frühstückstisch. Sauber ausgeschnitten, das Datum am Rand notiert. – Das ist beinahe getwittert!

Twittern unterscheidet sich von weitergereichten Ausschnitten nur unwesentlich. Stoße ich bei meinen Netzrecherchen auf spannende Artikel, wird das kurz kommentiert und weitergetwittert. Und jemand anderes kann diesen Umschlag (in der Twittersprache: die Timeline) öffnen und nachsehen, was da auf meinem Schnippsel (dem Tweet) steht.

Twitter ist aber noch mehr: Ich schicke meine Zeitungsausschnitte nicht nur an ein einzelnes Familienmitglied. Alle, die meine Auswahl interessant finden, können mir „folgen“, also meine Umschläge abonnieren. Aktuell tun das 140 Menschen. Die wenigsten davon kenne ich persönlich und das macht auch nichts. Ich freue mich, nicht allein am Frühstückstisch zu sitzen.

Ich habe im Übrigen viele andere Zeitungsleser an meinen Frühstückstisch geladen, also Menschen, denen ich auf Twitter „folge“ – bei mir über 350. Darunter sind Verwandte, NASA-Mitarbeiter, Umweltaktivisten, Geologen und Komiker. Und hier unterscheidet sich Twitter doch wesentlich vom Frühstückstisch meiner Kindheit. Denn von wem ich hier Schnippsel weitergereicht bekomme, entscheide ich selbst.

Kürzlich habe ich mal wieder zu Hause angerufen. Mich bedanken, für den letzten dicken Umschlag mit analog getwittertem Schnippelwerk. Und spannende Berichte nochmal diskutiert.

Auch diese Dimension hat Twitter. Denn ohne Hürde lässt sich mit jedem Mitleser „am Tisch“ in Kontakt treten. Weltweit. In jeder Sprache. Und ohne sich zu kennen.

Aber hat das keine Kehrseite? Landet da nicht viel Müll neben meinem Marmeladenbrötchen, Müll, den ich gar nicht lesen will? Meine Eltern kennen meine Interessen doch viel besser als 350 fremde Menschen aus dem Internet. Sicher. Aber meine Interessen kenne ich selbst am besten. Und wer mir Beiträge weiterreicht, kann ich jederzeit verändern, ganz ohne Konsequenzen.

Ob ich meine Eltern noch zum Twittern bekomme, weiß ich nicht. Wahrscheinlich werden sie bei den dicken Umschlägen bleiben. Und ich schicke dann alles an die Welt weiter, was mich anspricht. Und was mir sonst noch durch den Kopf geht. Aber jetzt ist hier Schluss: Ich muss dringend zur Toilette.

Alpha 0.7, der SWR und das Netz

13. November 2010

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat im Netz bisher vor allem Inhalte verteilt. Der spielerische Umgang mit dem neuen Medium blieb auf der Strecke. Das Projekt Alpha 0.7 des SWR ist eine erfrischende Ausnahme.

Radio: Avantgarde der Medien in frühen Tagen (gemeinfrei)

Radio: Avantgarde der Medien in frühen Tagen (gemeinfrei)

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts vertrat der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Avantgarde seines Mediums. Mit dem Radiohörspiel entwickelte sich ein Format, das sich zwar ans Theater anlehnte, aber auf eigene Stilmittel setzte. So müssen Geräusche, Klangschablonen und atmosphärische Musik das ersetzen, was der Hörer zu Hause am Radio nicht sehen kann. Die Bilder mussten in seinem Kopf entstehen.

Diese Avantgarde-Funktion ging mit immer stärkerer Diversifizierung im Rundfunk verloren. Private Sender setzen heute öffentlich-rechtliche Medien zunehmend unter Druck: Im Kampf um die Quote sinkt die Qualität zugunsten gefälligerer Angebote.

Weiter verschärft wird diese Entwicklung durch Onlinemedien. In dieser Sphäre hat sich zwar bisher keine Sparte wirklich mit Ruhm bekleckert, weder öffentlich-rechtliche Sender, noch die privaten. Ganz im Gegenteil: Beide meiden das Netz, wie der Teufel das Weihwasser. Mit Mediatheken werden Radio und Fernsehen zwar leichter bedienbar, die Möglichkeiten des Netzes werden aber kaum ausgeschöpft. Der Rückkanal über soziale Netzwerke und Kommentarfunktionen werden kaum beachtet oder gar nicht erst angeboten. Die Inhalte werden nur zeitlich begrenzt im Netz angeboten und entgehen so dem Long Tail, also der breiten Masse der Netzbewohner. Diese Entwicklung ist wohl zum Teil von Politik und Verlagslobby vorgegeben. Aber auch von sich aus gebärden sich die Rundfunkanstalten im Netz ausschließlich als traditionelle Sender. Ein spielerischer Umgang mit den Techniken des neuen Mediums wie einst beim Hörspiel findet kaum statt.

Das erste wirklich avantgardistische Netzprojekt einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, das mir untergekommen ist, startete gestern: Alpha 0.7 vom Südwestrundfunk (SWR).

http://www.youtube.com/watch?v=v6CrUd8SiDY

Dabei handelt es sich um eine Krimireihe, die kommende Woche im SWR3-Fernsehen anläuft. Eine dystopische Welt der Zukunft: „Stuttgart 2017“. Die Verbrechensbekämpfung nutzt vermehrt Gedankenscanner zur Suche nach Verbrechern, während konventionelle Überwachungstechniken der Obrigkeit zur Perfektion weiterentwickelt worden sind.

Soviel zur Geschichte, die sicher ein wichtiges und bisher in Mainstream-Medien unterrepräsentiertes Thema zur Diskussion stellt. Dass gerade Stuttgart für die dystopische Zukunftsvision gewählt wurde, das ja derzeit vermehrt Probleme mit der politisch vorgegebenen Stadtplanung hat, ist vermutlich Zufall.

Alpha 0.7 ist aber mehr als eine Fernsehserie. Das Format verfolgt einen crossmedialen Ansatz. Wissenschaftliche Sendungen im SWR-Hörfunk sollen die extrapolierten Techniken des Jahres 2017 in unserer Gegenwart beleuchten. Daneben hat der SWR die Welt von 2017 auch ins Netz gespiegelt – und damit wirklich Neuland betreten. So schreiben Protagonisten der Serie eigene Blogs oder pflegen persönliche Youtube-Channels, während das fiktive Precrime-Center des BKA ebenso mit einer eigenen Präsenz im Netz vertreten ist wie die fiktiven Gegner der Überwachung in der Welt von 2017.

Mit dem Kunstprojekt Alpha 0.7 ist dem SWR eine nachdenklich stimmende Inszenierung gelungen, die auch unterstreicht, dass öffentlich-rechtliche Häuser die Möglichkeiten des Netzes nutzen können und müssen. Leider hat sich die Anstalt den Netzbewohnern dabei nur thematisch genähert. So wird zwar auf allen Kanälen – TV, Radio und Netz – gesendet, auf Reaktionen der Nutzer scheint man im Haus aber keine Rücksicht nehmen zu wollen.

Nachtrag: Bei der FAZ gibt es ein paar Hintergründe zur Entstehung von Alpha 0.7.

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